Startschuss für neues Forschungsprojekt: „Apotheke 2.0“ optimiert Gesundheitsversorgung auf dem Land

Seit Anfang des Jahres knüpft ein neues Projekt an die „Dorfgemeinschaft 2.0“ an: Im Rahmen der „Apotheke 2.0“ untersuchen die Gesundheitsregion EUREGIO, die Universität Osnabrück und der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), wie Apotheken die Digitalisierung nutzen können, um zusammen mit Ärzten, Pflegediensten und Krankenhäusern die Gesundheitsversorgung älterer Menschen in ländlichen Regionen zu verbessern.

„Wer auf dem Land wohnt und gesundheitliche Hilfe braucht, hat häufig schon jetzt ein Problem: Ärzte finden keine Nachfolger und schließen ihre Praxen, nicht selten trifft es dann auch die Apotheke nebenan“, erklärt Projektleiter und EUREGIO-Vorstandsmitglied Thomas Nerlinger. Folge: Das Leben auf dem Land wird immer unattraktiver. Das neue Projekt „Apotheke 2.0“ möchte dieser Abwärtsspirale entgegenwirken.

„Ziel des Projekts ist es, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um den Menschen in ländlichen Regionen sinnvolle Versorgungsangebote zu machen und damit einen Umzug ins Pflegeheim oder stationäre Krankenhausaufenthalte so lange wie möglich zu vermeiden“, erklärt Prof. Dr. Frank Teuteberg, Leiter des Fachgebiets für Unternehmensrechnung und Wirtschaftsinformatik an der Universität Osnabrück. Entwicklungsfelder könnten zum Beispiel in der Vollversorgung multimorbider Patienten oder in der IT-gestützten Dauermedikation durch Überwachen von Therapieabläufen liegen. Auch die Erweiterung des Apotheken-Serviceangebots für Pflegeeinrichtungen, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige sei denkbar.

Apotheker als Gesundheitslotsen

Eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung übernehme die Apotheke vor Ort laut AVWL-Vorsitzendem Dr. Klaus Michels vor allem aufgrund ihrer Niederschwelligkeit: „Häufig ist der Apotheker im Dorf der einzige verbliebene Ansprechpartner für gesundheitliche Probleme.“ Besonders für die wachsende Gruppe der älteren, weniger mobilen Menschen, die gleichzeitig einen hohen pharmazeutischen Betreuungs- und Beratungsbedarf hätten, sei diese Anlaufstelle unerlässlich. „In Apotheken arbeiten Gesundheitsexperten, die in der Regel sehr gut einschätzen können, wann ihre Patienten weitergehende Unterstützung etwa durch einen Arzt benötigen“, ergänzt Hans-Jürgen Simacher, Geschäftsführer des Apothekerverbandes. Das Projekt „Apotheke 2.0“ möchte diese Lotsenfunktion nutzen, um die digitale Vernetzung der unterschiedlichen Akteure im Gesundheitssystem zu verbessern. Simacher: „Wenn sämtliche Beteiligten Hand in Hand arbeiten, vom Arzt über den Apotheker bis hin zum Pflegedienst, können wir eine hohe Behandlungsqualität erreichen.“

Patient steht im Mittelpunkt

Im Gegensatz zu reinen Online-Angeboten bleibt der Fokus der „Apotheke 2.0“ laut den Projektverantwortlichen auf den individuellen Bedürfnissen der Patienten. „Unser Anspruch ist es, analoge und digitale Angebote dahingehend sinnvoll und intelligent zu verknüpfen, dass einer Entmenschlichung der Versorgung auf dem Land entgegengewirkt wird“, sagt Simacher. Schließlich sei der Apotheker vor Ort für viele ältere Menschen nicht nur Gesundheitsexperte, sondern auch Vertrauensperson und soziale Anlaufstelle.

Wichtig ist den Projektverantwortlichen die Übertragbarkeit der Ergebnisse: „Die Tools und Konzepte, die im Rahmen des Projekts entwickelt werden, sollen am Ende Apotheken in sämtlichen Regionen des Landes nutzen können“, erklärt Teuteberg. Die Erkenntnisse und Ergebnisse aus dem Projekt „Apotheke 2.0“ sollen außerdem an das fünfjährige Forschungsprojekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ anknüpfen. Koordiniert wird dieses Projekt ebenfalls von der Gesundheitsregion EUREGIO. „Mit der Dorfgemeinschaft möchten wir den demografischen Wandel mithilfe technischer Möglichkeiten meistern“, erklärt EUREGIO-Vorstandsmitglied und Projektmanager Thomas Nerlinger. „Denn in der modernen Welt mit Internet und smarter Technologie gibt es vielseitige Möglichkeiten und Potenziale, diese auch im Alltag als Hilfsmittel für einen altersgerechten Austausch zwischen Mensch und Technik einzusetzen.“ An erster Stelle stünde auch hier das Ziel, dass ältere Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben könnten. Nerlinger: „Wir möchten die Chancen der Digitalisierung für die Bewältigung des demografischen Wandels nutzen.“ Moderne Technologien könnten die Lebenswelt vielfach sinnvoll unterstützen, vor allem in den Bereichen Mobilität, Gesundheit und Pflege, Wohnen und Versorgung. „Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch.“

Foto: fotolia/belahoche

Quelle: Pressemitteilung Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) vom 02.02.2018 

Pressespiegel mit folgenden Artikeln (Apotheke adhoc, Neue Westfälische, Westfälische Nachrichten, Pharmazeutische Zeitung, Deutsche Apotheker Zeitung, Ibbenbürener Volkszeitung)

Post a comment

*