MDKN und Landkreis setzen sich gemeinsam mit ReKo für eine verbesserte pflegerische Versorgung ein

Foto (Fabian Strothmann), von links nach rechts: Paula Nordemann  Pflegestützpunkt, Hanna Reurik Pflegestützpunkt und Gesundheitsregion EUREGIO, Johannes Alsmeier SpD Grafschaft Bentheim, Inga Koopmann MDK, Karin Platje MGH Senfkorn, Dr. Christine Kües, Thomas Nerlinger Gesundheitsregion EUREGIO, Gunda Diekmann MGH Senfkorn

Der Pflegestützpunkt des Landkreises Grafschaft Bentheim und der MDKN (Medizinische Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen) luden kürzlich zu einer gemeinsamen außerordentlichen Dienstbesprechung ein. Gemeinsam mit weiteren Akteuren und Kooperationspartnern soll eine  Zusammenarbeit in der pflegerischen Versorgung der Menschen in der Grafschaft Bentheim ausgebaut werden.

Die stellvertretende Abteilungsleitung des Gesundheitsamtes Frau Dr. Kües begrüßt die teilnehmenden Akteure, wie den Sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises (SpD) und die mobile Demenzberatung, sowie das Kooperationsprojekt Regionales Pflegekompetenzzentrum (ReKo) der Gesundheitsregion EUREGIO e.V.. Frau Dr. Kües sieht einen erheblichen Mehrwert in der Vernetzung des Pflegestützpunktes mit dem Case Management des ReKo-Projektes und dem MDKN. „Zwingend notwendig ist ein reibungsloser und abgestimmter Ablauf für die Versorgung der Menschen, weshalb die angestrebte Vernetzung elementar ist“ sagt Frau Dr. Kues. Darüber hinaus unterstreicht der  Landkreis Grafschaft Bentheim mit dem den Handlungsschwerpunkt Pflege  dieses Thema.

Im Landkreis Grafschaft Bentheim sind nach den aktuellen Zahlen des statistischen Landesamtes Niedersachen etwa 6.600 Menschen pflegebedürftig. „Knapp die Hälfte der Betroffenen werden Zuhause -ohne Pflegedienst, nur von Angehörigen gepflegt“, beziffert Paula Nordemann als Mitarbeiterin des Pflegestützpunktes die Situation im Landkreis. Zu den Pflegebedürftigen zählen Menschen, die bereits einen Pflegegrad haben. Um diesen zu bekommen und damit auch Ansprüche auf bestimmte Leistungen der Pflegekasse zu erhalten, bedarf es einer Einschätzung der Pflegebedürftigkeit. Hier kommt der MDKN ins Spiel: „ Etwa 450 Pflegegutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung führen Hausbesuche in Niedersachsen durch, um bei den Versicherten die Pflegebedürftigkeit festzustellen“, so Inga Koopmann Teamleitung Grafschaft Bentheim/Emsland vom MDKN. Die Gutachter und  Gutachterinnen haben häufig den ersten häuslichen Kontakt zu den Pflegebedürftigen.  Allerdings werden aktuell die Gespräche auf Grund der Corona-Pandemie nur telefonisch geführt bis mindestens Ende September. Dabei vereinfacht der Blick in die häusliche Umgebung und das persönliche Kennenlernen der Antragsteller die korrekte Einschätzung und soll daher demnächst wieder aufgenommen werden.

Bei der Umstellung 2017 von Pflegestufen auf Pflegegraden ging es auch besonders darum, Menschen mit einer Demenz gerecht zu werden. Diese fielen bei der vorherigen Einstufung häufig durchs Raster. Dennoch gibt es bei der Betreuung und Versorgung von demenziell Erkrankten und deren Angehörigen noch viele Baustellen, zeigen  Karin Platje und Gunda Diekmann– Projektmitarbeiterinnen der mobilen Demenzberatung am Mehrgenerationenhaus Senfkorn in Emlichheim – auf. Demenz ist noch immer ein riesiges Tabuthema. Lediglich 20% der Bevölkerung ist gut über diese Erkrankung informiert, berichten die Demenzberaterinnen. Das merkt man auch daran, dass Angehörige, die Betroffene betreuen und versorgen, sich erst sehr spät Beratung suchen und dann oftmals bereits am Ende ihrer Kräfte sind. Daher ist das Hauptanliegen des neuen dreijährigen Projektes „mobile Demenzberatung“ die Angehörigen früher und intensiver zu begleiten und zu unterstützen.

Menschen mit besonderen Bedarfen versucht auch der SpD zu erreichen. Die Zielgruppe des SpD sind Betroffene mit psychischen Erkrankungen, aus denen sich eine Krisensituation ergibt. „Oft sind wir die letzte Anlaufstelle“, berichtet Johannes Alsmeier, Mitarbeiter des SpD. Vielfach  kommen Hinweise von Dritten, die sich um Betroffene sorgen. Pflegebedürftigkeit und psychische Probleme treten oft parallel auf und sind daher in der Zuständigkeit des Hilfesystems schwer abzugrenzen. 

Um die Menschen mit den unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen frühzeitig zu erreichen, ist die gegenseitige Vernetzung unterschiedlicher Akteure bedeutsam. Hier setzt auch das Projekt ReKo an: „Das vom Innovationsfond geförderte Projekt kooperiert eng mit dem Pflegestützpunkt und dem Sozialdienst der Euregio-Klinik“, so Thomas Nerlinger, Projektleiter und Geschäftsführer der Gesundheitsregion EUREGIO e.V. „Uns geht es darum, keine Parallelstrukturen zu schaffen, sondern die bestehende Regelversorgung zu erweitern“ erklärt Hanna Reurik, Projektkoordinatorin des ReKo-Projektes und Mitarbeiterin des Pflegestützpunktes. Durch die Case Manger des ReKo Projektes werden Pflegebedürftige und Angehörige mit komplexen Problemen unter Einbeziehung eines Digitalen Ökosystems intensiv begleitet. Dazu ist es unabdingbar Hand in Hand mit den beschriebenen Akteuren zusammen zu arbeiten um ein abgestimmtes Versorgungsnetz vorzuhalten. Denn die Ziele sind oftmals deckungsgleich: Möglichst lange in der eigenen Häuslichkeit zu bleiben. 

Unter Einhaltung der Covid19-Hygienemaßnahmen konnte dieses Treffen in dem großzügigen Sitzungssaal im Hauptgebäude der Kreisverwaltung des Landkreises Grafschaft Bentheim stattfinden.

Quelle: Landkreis Grafschaft Bentheim, https://rekopflege.de/im-blickpunkt/

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