Interview zum Pilotprojekt Apotheke 2.0

Zum Start des Pilotprojektes konnten wir einige Worte mit den Projektpartnern wechseln.


Abed Daka

Apotheker und Vorstandsmitglied Gesundheitsregion EUREGIO

Sie sind als Vorstandsmitglied der Gesundheitsregion EUREGIO Mitinitiator und Ansprechpartner im Projekt Apotheke 2.0, richtig?

Ja, absolut. 2019 ist unser Forschungsprojekt Apotheke 2.0 gestartet und wir haben im Projektteam schon viel miteinander erforscht und erleben dürfen.

Haben sich Ihre Erwartungen bisher erfüllt?

Auf jeden Fall! Unser Forschungsprojekt lebt davon neben der wissenschaftlichen Seite in der Praxis etwas zu erforschen und verändern zu wollen. Aus der Sicht des Apothekers ist vor allem dieses Jahr sehr spannend, da unser Pilotprojekt gerade startet. Wir haben mit MediMan einen starken Praxispartner mit einem marktreifen Produkt an unserer Seite und möchten aufzeigen, wie einfach der Austausch zwischen Apotheker, Kunde, Arzt und Pflegeheim sein kann.

Welche Vorteile versprechen Sie sich als Apotheker von einer Beteiligung am Pilotprojekt?

Es gibt viele, nennenswerte Vorteile wie beispielsweise die Ermöglichung einer Vernetzung und damit asynchronen Kommunikation zwischen Apotheker, Arzt, Pflegeheim und Patient, einer automatischen Dokumentation, der Organisation von Informationen und Aufgaben sowie strukturierte Abläufe. Aus diesen einzelnen Aspekten folgen eine höhere Kundenbindung sowie die Entlastung der Mitarbeiter durch Zeit- und Kostenersparnis. Insgesamt erhoffe und erwarte ich, dass damit das höchste Ziel für mich erreicht werden kann: eine verbesserte Versorgungsqualität der Apothekenkunden und Patienten.

Welche Wünsche haben Sie an Ihre Apotheken-Kolleg*innen im Verein für die Erprobung mit MediMan?

Die Teilnahme an dem sechsmonatigen Pilotprojekt ist kostenlos. Daher wünsche ich mir, dass meine Kolleg*innen dem Projekt offen gegenüberstehen und neben ihrer eigenen Apotheke auch die Ärzte und Pflegeheime, mit denen sie zusammenarbeiten, für eine Teilnahme motivieren können. Wir zusammen können die Plattform MediMan mit unserem Feedback weiter in die Richtung entwickeln, wie es für uns in der Praxis relevant ist.


Prof. Dr. Frank Teuteberg

Projektleitung und Professor für Unternehmensrechnung und Wirtschaftsinformatik (Universität Osnabrück)

Wie ist das Projekt bisher aus Ihrer Sicht verlaufen?

Wir verfolgen in unserem Forschungsprojekt Apotheke 2.0 ein gutes Mittel zwischen Wissenschaft und Praxis. Einerseits untersuchen wir, wie sich die Apotheke vor Ort weiterentwickeln kann, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Anderseits erheben wir Bedarfe aus der Praxis, sodass wir diese Einblicke wissenschaftlich erforschen und Lösungen für spezifische Probleme finden können. Aus diesem Grund stehen wir nun an dem Punkt, das Medikationsmanagement durch die interdisziplinäre Kommunikation zwischen verschiedenen Gesundheitsakteuren anhand einer spezifischen Plattform zu erproben. Aus dem Feedback der teilnehmenden Apotheken, Arztpraxen und Pflegeheimen können wir nach erfolgter Analyse spannende Informationen ableiten. Diese Ergebnisse werden wir in einem Abschlussbericht festhalten und mit Apotheker*innen teilen.

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Apotheken und den Kontakt zu ihren Kunden?

Wir betrachten Technologien als Unterstützung der Apotheker*innen und die Apothekenmitarbeiter*innen zur gesicherten und effizienten Bewältigung ihrer Aufgaben. Unser Ziel ist es die Offline- und Online-Welt bestens zu verschmelzen, sodass der persönliche Kontakt stattfinden kann, wenn dieser gewollt ist, jedoch nicht stattfinden muss, wenn es an Zeit mangelt. Es ist wichtig, immer zwei Seiten zu beleuchten: negative und positive Auswirkung der Digitalisierung. Letztendlich kann gesagt werden, dass bei dem richtigen Einsatz der Digitalisierung die Prozesse effizienter gestaltet, menschliche Fehler minimiert und der persönliche Kontakt weiterhin fokussiert werden kann.


Bernd Rademacher

Geschäftsführer Apothekerverband Westfalen-Lippe

Sie sind Geschäftsführer des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) und auch Mitglied in der Gesundheitsregion EUREGIO. Wie haben Sie das gemeinsame Projekt bisher wahrgenommen?

Die Arbeitsatmosphäre kann ich als angenehm, engagiert, konstruktiv und dynamisch beschreiben. Die Belange der Apotheker stehen immer im Fokus. Wenn sich also ein Apotheker durch das Projekt Apotheke 2.0 und den Modellversuch mit MediMan angesprochen fühlt und weitere Ideen für die Apotheke der Zukunft hat, kann dieser gerne auf uns zukommen – wir sind offen für neue Themen und Anregungen.

Warum sollten sich aus Ihrer Sicht Apotheken an der Erprobung mit MediMan beteiligen?

Ziel des Tests der Plattform MediMan ist, nach einer wissenschaftlichen Evaluation konkrete Handlungshinweise für die Apotheken vor Ort abzuleiten, wie mit Hilfe solcher Plattformen das Medikationsmanagement gesteuert und alle Gesundheitsakteure koordiniert werden können. Es geht darum, so die Versorgung der Patienten zu verbessern, aber auch die Organisation und Abläufe sowie die Dokumentation zu vereinfachen und den Austausch mit anderen Akteuren zu erleichtern. Wir wollen somit den Apotheker als Gesundheitslotsen aufstellen, der die Versorgung der Patienten koordiniert.  


Kai Dalpke

Geschäftsführer MediMan

Worin sehen Sie Ihr Erfolgsrezept mit MediMan?

Wir sind seit über 15 Jahren im Apothekenmarkt und haben den Wandel des Apotheker*in-Berufs hautnah erleben können. Insofern konnten wir die letzten Jahre bei der Entwicklung von MediMan auf unsere Erfahrungen zurückgreifen und eine prozessorientierte Lösung bauen. Wir sind überzeugt davon, dass MediMan die Rolle der Apotheke vor Ort unterstützt und stärkt.

Welchen Wandel sehen Sie in Zukunft für die Apotheke vor Ort?

Apotheker*innen können mit MediMan endlich als Gesundheitslotse agieren. Das heißt, dass sie die Kundenbindung erhöhen und die eigene Position stärken können, indem sie weiterhin als erste Ansprechpartner*innen für die Kund*innen sind und die Koordination zwischen diesen und weiteren, beteiligten Gesundheitsakteuren wie bspw. Arztpraxen übernehmen. Dieses Alleinstellungsmerkmal ist sehr wichtig für die Apotheken vor Ort, um sich auch gegen die Online-Apotheken durchzusetzen.

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