Themen-Visite der Gesundheitsregion EUREGIO in der Apothekerkammer Westfalen-Lippe: Austausch über Herausforderungen und Zukunft der Apothekenversorgung

Am Mittwoch, den 4. März 2026, führte die Themen-Visite der Gesundheitsregion EUREGIO nach dem Vormittagsprogramm am Universitätsklinikum Münster (UKM) in die Räumlichkeiten des Neumitglieds Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) an der Bismarckallee. Mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Netzwerk kamen dort zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Arzneimittelversorgung auszutauschen. Die Kammer bot mit ihrem Blick auf den Aasee einen passenden Rahmen für Gespräche und fachlichen Austausch.

Zu Beginn nutzten die Gäste bei Kaffee, Tee und Kuchen die Gelegenheit zum persönlichen Kennenlernen und zur Vernetzung innerhalb des Netzwerks. Anschließend begrüßte Vorstandsmitglied Thomas Nerlinger die Teilnehmerinnen und Teilnehmer offiziell zum zweiten Programmpunkt der Themen-Visite.

In seinen einleitenden Worten ordnete Nerlinger die Veranstaltung in die aktuellen gesundheitspolitischen Diskussionen ein. Während in Berlin parallel im Gesundheitsausschuss unter anderem über die Krankenhaus- und Apothekenreform beraten wurde, richtete sich der Blick in Münster auf die Situation der Gesundheitsversorgung in den Regionen.

„Großartig, dass wir hier zu Gast sein dürfen. Ich habe heute Morgen schon gesagt: Wir haben es gut aufgeteilt. Während sich in Berlin der Gesundheitsausschuss mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) und dem Apothekenversorgungsentwicklungsgesetz (ApoVWG) beschäftigt, sind wir hier in Münster genau richtig, um zu zeigen: Bitte Berlin, Bundesregierung und Deutscher Bundestag, kümmert euch um die Menschen und um die Leistungserbringer. Denn in den Regionen passiert Gesundheitsversorgung – und dort müssen auch die richtigen Entscheidungen getroffen werden.“

Auch Gabriele von Elsenau Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und Beiratsmitglied der Gesundheitsregion EUREGIO, begrüßte die Gäste und bedankte sich bei der Gesundheitsregion EUREGIO für die Organisation der Veranstaltung sowie für das große Engagement des Netzwerks, verschiedenste Akteure der Gesundheitsversorgung zusammenzubringen.

Im Anschluss stellten Yvonne Schmees, Leiterin der Stabsstelle Politik und Projekte, sowie Michael Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, die Ergebnisse der aktuellen NRW-Studie vor.

Schmees präsentierte zentrale Ergebnisse der brandaktuellen Untersuchung zur Situation der Apotheken in Nordrhein-Westfalen. Ein zentrales Ergebnis der Studie zeigt, dass NRW in den vergangenen 15 Jahren jede vierte Apotheke verloren hat. Für die Analyse wurde nicht nur betrachtet, wie viele Apotheken es in den einzelnen Kommunen gibt, sondern auch, welche strukturellen Entwicklungen innerhalb der Apotheken stattfinden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten dabei Einblicke in die verschiedenen Aspekte der Studie, die unter anderem Personalstrukturen, Betriebsgrößen und Inhaberstrukturen berücksichtigt. Besonders eindrücklich war die Entwicklung der vergangenen Jahre: Innerhalb der letzten 15 Jahre ist in Nordrhein-Westfalen jede vierte Apotheke weggefallen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die aktuellen Herausforderungen längst nicht mehr nur kleinere Apotheken betreffen. Auch größere Betriebe mit vielen Mitarbeitenden sowie Apotheken mit jungen Inhaberinnen und Inhabern sind zunehmend von wirtschaftlichen und strukturellen Veränderungen betroffen.

Im Anschluss entwickelte sich unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Diskussion über aktuelle Herausforderungen der Arzneimittelversorgung. Dabei spielte insbesondere die Rolle des Versandhandels mit Medikamenten eine wichtige Rolle. Das Thema wurde im weiteren Verlauf der Veranstaltung erneut aufgegriffen.

Im anschließenden Vortrag mit dem Titel „Apotheke und Arzneimittelversorgung der Zukunft“ ging Präsidentin von Elsenau Overwiening auf die zentrale Bedeutung der Apotheken für die Gesundheitsversorgung vor Ort ein.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten dabei einen Einblick in die vielfältigen Aufgaben, die Apotheken innerhalb der lokalen Gesundheitsversorgung übernehmen. Dabei wurde deutlich, dass Apotheken weit mehr sind als reine Abgabestellen für Medikamente. Sie ermöglichen einen niedrigschwelligen Zugang zur Gesundheitsversorgung, sorgen für eine schnelle Arzneimittelversorgung und gewährleisten Arzneimittelsicherheit auch ohne unmittelbaren Arztbesuch. Darüber hinaus stellen sie individuelle Rezepturen her und sichern ein flächendeckendes Notdienstsystem. Gleichzeitig leisten Apotheken einen wichtigen Beitrag zum Schutz vulnerabler Gruppen, zur Prävention vor Ort sowie zur richtigen Anwendung von Arzneimitteln. Für viele Menschen sind sie zudem ein wichtiger sozialer Kontaktpunkt im Alltag.

In diesem Zusammenhang hob von Elsenau Overwiening auch die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit hervor.

„EUREGIO heißt ja, wir wollen uns in den Regionen gegenseitig stärken und verstehen, was hier vor Ort passiert. Wir können uns in den Regionen gemeinsam stark machen. Im Osnabrücker Land haben sich im Aponola-Netzwerk 17 Apotheken zusammengeschlossen und unterstützen sich gegenseitig. Die Kraft entsteht aus der Region. Sie entsteht vor Ort. Diese Kraft kann man nicht von oben hineingießen. Sie muss von unten wachsen. Genau deshalb ist dieses Zusammenkommen hier so hilfreich. Daraus entsteht Kooperation, Identifikation und gemeinsame Stärke.“

Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen formulierte von Elsenau Overwiening eine klare Botschaft zur Bedeutung der Apotheken für die Gesellschaft: „Apothekensterben ist nicht weniger als der Abbau sozialer Räume.“

Für die Mitglieder der Gesundheitsregion EUREGIO bot der zweite Programmpunkt der Themen-Visite damit einen vertieften Einblick in aktuelle Entwicklungen der Arzneimittelversorgung sowie in die Rolle der Apotheken als zentraler Bestandteil der regionalen Gesundheitsinfrastruktur. Der Austausch machte zugleich deutlich, wie wichtig Kooperation und Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens sind. Im Anschluss führte die Themen-Visite die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter in die Innenstadt von Münster, wo als dritter Programmpunkt ein Austausch mit Oberbürgermeister Tilman Fuchs im Historischen Rathaus Münster auf dem Programm stand.

Bericht: Niklas Pohlmann

Bilder von unserem Ehrenmitglied Franz Frieling: