Themen-Visite der Gesundheitsregion EUREGIO im Universitätsklinikum Münster: Einblicke in moderne Medizinausbildung, Robotik und virtuelle Realität

Am Mittwoch, den 4. März 2026, fand bei frühlingshaften Temperaturen eine Themen-Visite der Gesundheitsregion EUREGIO beim langjährigen Mitglied Universitätsklinikum Münster (UKM) statt. Etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Netzwerk folgten der Einladung, um Einblicke in aktuelle Entwicklungen der medizinischen Lehre, innovative Technologien in der Chirurgie sowie neue Möglichkeiten in Ausbildung und Patientenkommunikation zu erhalten.

Auftakt im neuen Studienlabor der Medizinischen Fakultät

Die Veranstaltung begann im neuen Studienlabor der Medizinischen Fakultät Münster mit einer Begrüßung durch das Vorstandsmitglied Thomas Nerlinger. Während in Berlin parallel im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages unter anderem über die Krankenhaus- und Apothekenreform beraten wurde, stand in Münster der direkte Blick in die Praxis moderner Medizin und medizinischer Ausbildung im Mittelpunkt.

Nerlinger begrüßte zahlreiche Mitglieder und Gäste, darunter Dr. med. Vincent Hofbauer, Leiter der Stabsstelle UKM International des Ärztlichen Direktors und ebenfalls Vorstandsmitglied der Gesundheitsregion EUREGIO. Hofbauer hatte das Vormittagsprogramm am UKM maßgeblich mitorganisiert.

Er erläuterte zunächst einige zentrale Kennzahlen des UKM: Rund 12.770 Mitarbeitende versorgen jährlich etwa 50.000 stationäre sowie rund 500.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Zugleich hob er hervor, dass die Gesundheitsregion EUREGIO zu den ersten Gruppen gehört, die das neue Studienlabor in dieser Form besuchen und besichtigen dürfen.

Anschließend stellte Prof. Dr. med. Bernhard Marschall, Studiendekan der Medizinischen Fakultät Münster, die Rolle des Studienlabors für die zukünftige medizinische Ausbildung vor. Dabei ging er auch auf Veränderungen in der Lehre ein, die unter anderem durch neue digitale Technologien und Künstliche Intelligenz geprägt werden. Die neuen Räumlichkeiten sollen dabei helfen, moderne Lernformen zu fördern und einen kulturellen Wandel in der medizinischen Ausbildung zu unterstützen.

Im Rahmen des Rundgangs erhielten die Teilnehmenden Einblicke in verschiedene Bereiche des Studienlabors. Gezeigt wurde unter anderem der große Fachschaftsraum, der den über 80 aktiven Mitgliedern der Fachschaft als zentraler Treffpunkt dient. Ergänzt wird dieser durch mehrere Besprechungsräume, Arbeitsbereiche mit technischer Ausstattung sowie eine vollständig ausgestattete Küche und Möglichkeiten zum Reinigen von Laborkleidung. Ziel ist es, den Studierenden einen Ort zu bieten, an dem sie viel Zeit verbringen, gemeinsam arbeiten und sich austauschen können.

Ein besonderes Highlight stellte das eigentliche Studienlabor dar, das als “Herzstück” des Gebäudes gilt. Das architektonisch leicht schräg angelegte Labor soll symbolisieren, dass wissenschaftliche Erkenntnis selten geradlinig verläuft. Zehn Lernboxen stehen hier Studierendengruppen zur Verfügung, die eigenständig Projekte oder Lernvorhaben umsetzen können.

Abgerundet wurde der Rundgang durch die lichtdurchflutete Lernlandschaft des Gebäudes. Sechs sogenannte “Lagerfeuerstellen” bieten hier Raum für informellen Austausch, Gruppenarbeit und gemeinsames Lernen. Das Studienlabor ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr geöffnet und soll gezielt Begegnungen zwischen Studierenden verschiedener Semester ermöglichen.

Zugleich wurde deutlich, dass die Räumlichkeiten auch die Möglichkeit bieten, künftig Kongresse oder ähnliche Veranstaltungen in diesem Umfeld auszurichten. In diesem Zusammenhang bot Prof. Marschall der Gesundheitsregion EUREGIO an, entsprechende Formate künftig gerne im Studienlabor zu veranstalten.

Robotik in der Chirurgie

Im Anschluss führte das Programm in die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Dort stellte PD Dr. med. Philipp Houben, geschäftsführender Oberarzt und Bereichsleiter der Transplantationschirurgie, das Robotikzentrum des UKM vor.

Anhand von Videobeispielen aus realen Operationen erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spannende Einblicke in robotisch unterstützte chirurgische Verfahren. Dabei wurde deutlich: Die Systeme arbeiten nicht eigenständig, sondern werden vollständig von den Chirurginnen und Chirurgen gesteuert.

Robotische Assistenzsysteme bieten dabei zahlreiche Vorteile. Sie ermöglichen eine besonders präzise und stabile Instrumentenführung, gleichen den natürlichen Tremor der menschlichen Hand aus und erlauben eine deutlich verbesserte Beweglichkeit der Instrumente, teilweise sogar über die Möglichkeiten des menschlichen Handgelenks hinaus. Gleichzeitig profitieren Operateurinnen und Operateure von einer verbesserten Ergonomie, was insbesondere bei langen Eingriffen eine nahezu ermüdungsfreie Arbeit ermöglicht.

Wissenschaftliche Auswertungen zeigen zudem, dass robotisch unterstützte onkologische Operationen bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen mindestens gleichwertige, teilweise sogar verbesserte Ergebnisse erzielen können. Für Patientinnen und Patienten bedeutet dies häufig weniger Schmerzen und eine schnellere Erholung nach dem Eingriff. In vielen Fällen können sie nach der Operation direkt auf eine Normalstation verlegt werden, ohne zuvor intensivmedizinisch betreut werden zu müssen.

Auch für Patientinnen und Patienten aus der Gesundheitsregion EUREGIO ergeben sich aus diesen Entwicklungen direkte Vorteile. Durch die räumliche Nähe zum UKM können viele Menschen aus der Region von modernsten chirurgischen Verfahren profitieren.

Houben betonte zudem die Bedeutung einer stärkeren grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Medizin. Gerade in der Transplantationsmedizin sei die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden aus medizinischer Sicht oft eher eine organisatorische als eine tatsächliche Grenze.

Im Anschluss an den Vormittag nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum gemeinsamen Mittagessen in der Mensa des UKM. Der Austausch bot Raum für Gespräche, neue Kontakte und vertiefte Diskussionen zu den Eindrücken des Vormittags.

Virtuelle Realität in der Neurochirurgie

Am Nachmittag führte die Themen-Visite in die Klinik für Neurochirurgie. Dort stellte Prof. Dr. med. Markus Holling, stellvertretender Direktor der Klinik für Neurochirurgie, innovative Einsatzmöglichkeiten von Virtual-Reality-Technologien vor.

Virtual Reality eröffnet neue Möglichkeiten sowohl in der medizinischen Ausbildung als auch in der Patientenkommunikation. Mithilfe von VR-Anwendungen können komplexe medizinische Sachverhalte anschaulich dargestellt werden. Patientinnen und Patienten erhalten dadurch die Möglichkeit, ihre Diagnose und geplante Eingriffe besser zu verstehen.

Auch in der Ausbildung von Medizinstudierenden und medizinischem Personal eröffnen sich neue Perspektiven. Zukünftig könnten Simulationen von Operationen eine größere Rolle spielen und klassische Ausbildungsformate ergänzen. Aufwendige Lerninhalte, etwa das Erlernen der Hirntoddiagnostik, lassen sich mithilfe von VR-Technologie deutlich anschaulicher, effizienter und praxisnäher vermitteln.

Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gesundheitsregion EUREGIO konnten die Technologie vor Ort selbst ausprobieren und mithilfe von VR-Brillen detaillierte Darstellungen des menschlichen Gehirns erleben. Die komplexen Strukturen wurden dabei äußerst präzise visualisiert, waren für mehrere Personen gleichzeitig sichtbar und ließen sich im virtuellen Raum drehen und aus verschiedenen Perspektiven betrachten, sodass relevante anatomische Punkte gezielt hervorgehoben und erläutert werden konnten.

Holling verwies in diesem Zusammenhang auf den Besuch am 26.09.2025 beim Lise-Meitner-Gymnasium in Neuenhaus – Kooperationspartner der Gesundheitsregion EUREGIO, bei dem Schülerinnen und Schülern bereits erste Einblicke in diese Technologien erhalten konnten. Holling bot einen erneuten Besuch an.

Einblick in die Apotheke des UKM

Zum Abschluss der Themen-Visite führte Morzall Paenda, Fachapothekerin für klinische Pharmazie und Infektiologie sowie Leiterin der Arzneimittelausgabe am UKM, durch die Apotheke des Universitätsklinikums.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten dabei einen Eindruck von den komplexen Abläufen der Arzneimittelversorgung eines Universitätsklinikums sowie von den hohen Anforderungen an Organisation, Sicherheit und Qualität in diesem Bereich.

Die Themen-Visite bot den Mitgliedern der Gesundheitsregion EUREGIO zahlreiche spannende Einblicke in moderne Medizin, innovative Ausbildungskonzepte und neue Technologien im Gesundheitswesen. Zugleich unterstrich sie erneut die Bedeutung enger Zusammenarbeit und grenzüberschreitender Vernetzung für die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in der Region.

Bericht: Niklas Pohlmann

Bilder von unserem Ehrenmitglied Franz Frieling: